Worüber streiten wir eigentlich?

In einem Hofübergabe-Coaching kam der Streit um die Unordnung in der Schmutzschleuse zur Sprache. Der Sohn wirft seiner Mutter vor, sie würde seine Sachen wegschmeißen, wohingegen sie ihm vorwirft, er würde „seinen Scheiß“ ja auch überall hinlegen („Nein! Nicht überall, nur HIER an diese Stelle!“ – „Ja aber da gehört es nicht hin! Das ist MEINE Waschküche!“ und so weiter).
Der Vater beobachtet neugierig distanziert das Spektakel zwischen seiner Frau und seinem Sohn, aber als die Mutter ihren Sohn anfährt, er möge doch einfach seine Hose dorthin legen, wo sie hingehört, sagte der Sohn: „Das geht nicht, da liegt Papas Weste.
Da war es aus mit seiner Rolle des interessierten Beobachters…

Worüber streiten sie wirklich?

Nicht um die Fensterbank und nicht um die Hose. Damit wird der eigentliche Streit nur ausgetragen.
Wenn Paare oder Familien anhaltend über irgendeine Kleinigkeit streiten und weder zu einer Lösung noch zu einem Frieden finden, dann geht es um etwas größeres. Das Ding ist nur Platzhalter.
Eine Lösung auf der Sachebene zu finden, geht in der Regel relativ leicht, wenn nicht der eigentliche Streit auf einer tieferliegenden Ebene liegt. Sich auf der Sachebene über irgendwelche Dinge zu einigen geschieht hunderte mal, meistens geräuschlos und ohne größere Störung. Das merkt man oft nicht mal.
Wenn man sich also wegen „so einem Kleinkram“ anhaltend in den Haaren liegt, dann geht es in der Regel um etwas anderes.

Wie kriegt man heraus, worum es eigentlich geht?

Nach Schulz von Thun („Die vier Seiten einer Nachricht“) wird eine Einigung auf der Sachebene von Störungen auf der Beziehungsebene oder der Persönlichkeitsebene überlagert. Es lohnt sich also dort zu suchen.

Eine hilfreiche Frage ist: „Gibt es im Zusammenhang mit dieser Sache etwas, was dich als Persönlichkeit verletzt?
Oder: „Gibt es im Zusammenhang mit dieser Sache etwas, was unsere Beziehung angeht, was du schwierig findest oder dir nicht gefällt?
Sehr hilfreich ist auch die Frage: „Gibt es etwas, wodrin du dich von mir nicht gesehen fühlst?

Auf die Antworten sollte man dann sehr genau hinhören, ohne gleich in den Verteidigungs- oder Rechtfertigungsmodus zu schalten.

Selbstständigkeit und Bevormundung

In diesem Fall schält sich mit der Zeit heraus, dass sich der Sohn von der Mutter bevormundet fühlt, dass er findet, in seinem Alter könne sie mit ihrer „Bemutterung“ aufhören.
Der Mutter hängt ihre Rolle zum Halse raus, sie findet, der Sohn solle endlich auf eigenen Füssen stehen und in seinem Alter nicht länger in seinem Kinderzimmer leben und sich von ihr bedienen lassen.
Schlussendlich wurde deutlich, dass alle Beteiligten es nicht mehr gut finden, dass er noch in seinem Kinderzimmer lebt.
Da der Vater noch nicht im Rentenalter ist, entsteht Einvernehmen, dass der Sohn noch paar Wanderjahre machen soll, um noch etwas anderes von der Welt zu sehen und sich von seinem Elternaus zu lösen.
Gleichzeitig müssen die Eltern lernen ihn loszulassen und zu akzeptieren, dass sie keine Hoheit mehr darüber haben, wie er seinen Lebensstil pflegt.

Gut, dass sie für diese Klärung jemanden hatten, der sie begleitet hat und geholfen hat, das aufzudröseln. Die Gefahr, beim Versuch so etwas zu klären doch wieder in die alten Muster reinzufallen, ist sehr groß.
Wenn ihr auch so „Kleinkram“ habt, über den ihr euch unverständlich heftig in die Wolle bekommt, dann versucht es mal mit den oben stehenden Fragen.

Oder ruft mich an, ich begleite euch gerne darin herauszufinden, worüber ihr euch eigentlich streitet.

Hier findet ihr meinen Kontakt.

 

 

Foto: P. Jantsch

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