Bist Du glücklich?

Die zwei Freundinnen sitzen zusammen in der Sonne. Es ist der erste schöne warme Tag seit langem. Marion hat Eier gebracht für Brittas Hofladen. Die Kinder sind endlich wieder in der Schule. Es ist ein kurzer Moment der Ruhe, nachdem Brittas Mann Simon mit dem Auszubildenden vom Hof gefahren ist, um Silo zu mähen.

Plötzlich fragt Marion Britta: „Sag mal, bist du glücklich?“

Britta schaut überrascht auf: „Was für eine Frage!“

Marion: „Ja, das kann man sich ja mal fragen.“

Eine Weile Stille.

Britta: „Bist du denn glücklich?“

Marion: „Weiß nicht so. Ich frage mich das in letzter Zeit öfters.“

Wieder sitzen sie einen Moment schweigend da und schauen in die Blumenbeete. Das lange kühle Frühjahr machte, dass noch letzte Tulpen blühen.

Marion: „Ist dein Mann denn glücklich?“

Britta: „Simon? Keine Ahnung…“

Marion: „Er könnte glücklich sein, dass er endlich mähen kann. Dass nach genug Regen jetzt die Sonne scheint und er mit dem neuen Trecker losziehen kann.“

Britta: „Aber das ist doch sein Job…“

Marion: „Kann man dabei nicht glücklich sein?“

Britta richtet sich auf und schaut ihrer Freundin direkt ins Gesicht. „Ist denn Jürgen glücklich?“

Marion zögert. „Weiß nicht, habe ihn noch nie gefragt.“

Britta: „Hat er das denn nie mal gesagt?“

Marion wird etwas lauter. „Jürgen? Der sagt doch nichts. Wenn ich ihm kein Stress mache, die Preise in Ordnung sind, dann ist er zumindest mal nicht schlecht gelaunt. Ist das glücklich sein? Bist Du denn glücklich?“

Britta: „Weiß nicht, vielleicht. Wir hatten schon länger keinen Streit, Simon und ich. Schwiegermutter lässt mich in Ruhe. Mirjam zickt nicht so viel rum, den Kindern geht es echt besser, seit sie wieder zur Schule gehen können. Mein Knie tut nicht mehr weh. Bin ich glücklich? Wie ist man denn, wenn man glücklich ist?“

Marion wird bisschen spöttisch: „Tja, dann läuft man wie ein gefüllter Pfannekuchen durch die Gegend. Die Hormone kochen, man strahlt, alles ist leicht, die Vögel singen… Mann ist eben glücklich!“

Britta lacht: „Jetzt rede doch kein Scheiß! Sollen wir mal googeln?“

Marion schüttelt den Kopf. „Weißt du, mir ist eigentlich ernst mit der Frage. Das ist doch verrückt. Das ist doch vielleicht eine der wichtigsten Fragen im Leben, und wir finden keine Antwort drauf. Wann warst du das letzte Mal so richtig glücklich?“

Britta: „Vielleicht bei der Hochzeit? ‚Der glücklichste Tag des Lebens‘, wie es so schön heißt. Und danach gehts bergab, oder was? Keine schöne Aussicht. Die nächsten 30, 40 oder 50 Jahre sollen nicht mehr so glücklich werden können, wie das früher einmal war? Glücklichsein als ein Privileg von jungen Menschen? Das ist doch Quatsch. Das kann doch nicht sein!“

 

Einen Moment saßen sie wieder gedankenversunken da.

Britta: „Da fällt mir mein Opa ein. Den habe ich als glücklich in Erinnerung. Der saß in der Sonne auf seinem Bänkchen und schmökte seine Pfeife und wartete, bis die Milch für die Kälber warm war. Dann fütterte er seine drei Kälber. Und wenn ich zu ihm kam, hatte er immer einen Moment Zeit für mich. Auf mich wirkte er grundzufrieden und glücklich.“

Marion: „Bauernhofromantik früherer Zeiten, wenn das Leben so einfach wäre. Drei Kälber… Wie kann ich glücklich sein, wenn draußen die Arbeit nicht getan ist oder wenn Kühe krank sind oder wenn wieder irgendeine neue Idee aus Brüssel uns das Leben schwer macht? Oder wenn mein Mann schlechte Laune hat?“

Britta: „Aber wieso hat er schlechte Laune? Er sollte doch einfach glücklich sein, er hat eine super Frau, hat einen eigenen Betrieb, drei gesunde Kinder, hat immer genug zu essen und ein Dach überm Kopf. Warum ist er nicht glücklich?“

Marion stößt einen tiefen Seufzer aus. „Frag ihn… Darf man denn glücklich sein, solange irgendwas nicht optimal ist?“

Jetzt wird Britta ungehalten: „Das würde ja heißen, man darf nur glücklich sein, wenn alles stimmt? Das doch Quatsch. Das ist doch richtiggehender Blödsinn. Dann wird das ja nie was!“

Marion stimmt ihr zu. „Nee, das kann es nicht sein. Und das stimmt ja auch nicht. Also wenn ich jetzt mal nicht nach dem absoluten Glück suche, sondern nach den kleinen Glücksmomenten, dann geht das leichter.“

Britta: „Ja, dann fällt mir auch etwas ein!“

Marion: „Erzähl!“

Britta: „Als Erik, der Jüngste, neulich nachts zu uns kam und uns fragte, ob jetzt nicht Weihnachten wäre. Er fragte das mit so einer Überzeugung, keine Ahnung wie er darauf kam. Aber ich sagte ihm, dass jetzt bald Sommer wäre und nicht Winter, und dass wir bald das Planschbecken aufbauen können, da hat er eine Weile nachgedacht und hat genickt und ist wieder in sein Bett gegangen. Das war so eine besondere Situation, du weißt, er ist ja eher etwas wild. Da war ich so glücklich, dieses Kind zu haben.“

Marion lächelt. „Ich bin ja froh, dass es so viel geregnet hat, die letzten Wochen. Die Böden brauchen das. Und als vor paar Tagen plötzlich die Wolken aufgebrochen sind, und ein Sonnenstrahl über die Gerste schien und sie so hellgrün leuchtete, während im Hintergrund die dunklen Wolken waren, da überkam mich so eine Grundruhe, so etwas wie ‚Alles wird gut‘. Da war ich für einen Moment richtig glücklich.“

Britta: „Ja, und – oh! Das ist jetzt aber etwas widersprüchlich. Neulich hatten Simon und ich uns mal wieder in den Haaren, und ich wurde endlich mal wütend und hab ihm mal richtig contra gegeben. Das war nicht leicht, hat aber irgendwo auch ein bisschen Spaß gemacht. Und da ist der plötzlich ruhig geworden und hat mir richtig zugehört. Und dann hat er sich entschuldigt und es fühlte sich wirklich ehrlich gemeint an. Da war ich in dem Moment glücklich, und wütend und gekränkt und enttäuscht. Alles gleichzeitig. Aber ich war auch glücklich. Kann das denn sein?“

Marion schaut ihr tief in die Augen. Und schließlich nickt sie. „Das stimmt. ich erinnere mich auch an Situationen, da war vieles gleichzeitig und durcheinander, aber es war auch glücklich sein dabei. Verrückt, nicht wahr?“

Britta lächelt. „Und ich bin glücklich, weil ich mit meiner Freundin Marion in der Sonne sitze und wir uns so unterhalten!“

Und dann redeten sie noch über ein Video, das am Vortag viral gegangen war. Irgendwas mit Rindern, die von ihrer Weide ausgebrochen waren und glücklich auf einem Golfplatz herumrannten…

 

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Peter Jantsch

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Fotos: Pixabay: Uta Way und Engin Akyurt

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